Start Aktuelle Ausgabe Harnsteine – kleiner Stein verursacht großes Leid!

Harnsteine – kleiner Stein verursacht großes Leid!

Probleme mit den Harnwegen sind gar nicht so selten, wie man eigentlich glaubt. Doch viele Hunde haben mit Blasensteinen zu tun, die ihnen oft gar keine Probleme machen, da die Steine unbemerkt mit dem Urin ausgespült werden. Über den Urin scheiden Hunde, wie der Mensch auch, viele verschiedene Mineralstoffe wie Calcium, Phosphor oder Magnesium aus. Diese Stoffe sind im Normalfall als Salze im Urin gelöst. Steigt die Salzkonzentration im Harn jedoch an, beginnen die Salze langsam zu kristallisieren und es bildet sich feiner Sand.

(c) iStockPhoto.com

Die Beschwerden werden erst größer und dann auch offensichtlich, wenn sich aus dem Sand langsam Blasensteine mit einer gewissen Größe bilden, deren scharfe Kanten die Blasenwand reizen und verletzen, Blut im Urin sichtbar wird oder im schlimmsten Fall der Blasenausgang verstopft wird und das Tier keinen Urin mehr absetzen kann.

Ursachen für Blasensteine

Blasensteine bilden sich dann, wenn die Physiologie im Urin nicht mehr stimmt. Wenn sich bestimmte Mineralsalze im Harn konzentrieren, kann es dazu kommen, dass diese vor Ort auskristallisieren. Je nachdem welche Salze das sind (Calcium, Oxalat, Phosphat, …), bilden sich dann die verschiedenen Harnsteine. Hier gibt es zudem auch bestimmte Rassedispositionen und auch Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen.
Der pH-Wert des Urins beeinflusst diese Kristallisation sehr stark und ist daher einer der wichtigen Faktoren bei der Bildung von Blasensteinen. Er wird z.B durch bakterielle Infektionen beeinflusst, wodurch der pH-Wert basisch wird.

Auch die Fütterung hat einen großen Einfluss auf den pH-Wert und auf den Mineralstoffgehalt im Urin. Viele Hunde trinken zu wenig, wodurch sich der Urin und damit die Mineralstoffe aufkonzentrieren und es leichter zu einer Kristallisation kommt. Tiere, die viel Flüssigkeit zu sich nehmen, spülen die Blase besser durch und werden den Blasengries einfacher los.
Nicht zu vernachlässigen sind auch die Erbanlagen des Hundes. Bestimmte Rassen wie Bulldogge, Mops, Dalmatiner, Boston Terrier, Zwergschnauzer, Yorkshire Terrier und Husky neigen vermehrt zur Bildung von Blasensteinen.

Die verschiedenen Arten der Blasensteine

Je nachdem welche Mineralsalze im Urin als Kristalle ausfallen, entstehen unterschiedliche Formen von Blasensteinen. Am häufigsten mit 90% liegen bei Hunden Struvit – und Calciumoxalatsteine vor. Seltener sind Steine wie Uratsteine oder Cystinsteine.

Struvitsteine

Diese Harnsteine bestehen aus Magnesium, Ammonium und Phosphat. Sie bilden sich nur in neutralem oder basischem Urin (> pH 7.2). Sie entstehen oft in Folge von Blasenentzündungen, da viele Bakterien den Urin basischer machen und es in Folge dessen dann zur Steinbildung kommt. Auch die Fütterung kann die Entstehung dieser Steine begünstigen. Struvitsteine kommen häufiger bei weiblichen als bei männlichen Tieren vor.

Diese Steine können mit bis zu 1cm schon sehr groß werden. Das „Gute“ an dieser Form von Steinen ist jedoch, dass sie sich durch eine Verschiebung des Urin pHs in den leicht sauren Bereich wieder auflösen lassen.

Calciumoxalatsteine

Im Gegensatz zu Struvitsteinen kommen Harnsteine aus Calciumoxalat nur in neutralem oder saurem Urin vor (< pH 6.5). Die Entstehung dieser Steinart ist sehr eng mit der Fütterung verknüpft, da eine übermäßige Aufnahme von Calcium die Steinbildung begünstigt. Auch enthalten manche Futter Substanzen, die den Urin ansäuern sollen, um die Bildung von Struvitsteinen zu minimieren. Dies kann aber dazu führen, dass der Urin pH-Wert längerfristig zu sauer wird und sich daher leichter Calciumoxalatsteine bilden.
Auch bestimmte Medikamente und Krankheiten, die den Calciumspiegel im Blut erhöhen, können das Risiko für Calciumoxalatsteine erhöhen. Ältere, kastrierte Rüden und Hunde mit Übergewicht neigen besonders zur Bildung von Calciumoxalatsteinen.
Diese Form der Blasensteine ist meistens eher klein (bis 7mm), trotzdem ist eine Auflösung nicht möglich und die Steine können nur noch operativ entfernt werden.

Uratsteine

Diese Form der Blasensteine kommt häufig bei Dalmatinern und Hunden mit einem Lebershunt vor. Diese Hunde scheiden große Mengen an Harnsäure aus, da diese nicht gut genug zu Allantoin verstoffwechselt wird.
Uratsteine können mittels eines Medikamentes, welches der Tierarzt verschreibt, aufgelöst werden. Die richtige Fütterung ist hier aber entscheidend, um die Bildung von Harnsäure bestmöglich zu minimieren und damit die Bildung von Uratsteinen von vornherein zu verhindern.

Cystinsteine

Cystinsteine sind sehr selten und kommen im Zusammenhang mit einer Stoffwechselerkrankung vor, bei der zu viel Cystin mit dem Urin ausgeschieden wird. Häufig betroffen sind männliche Hund im Alter von 3 – 5 Jahren der folgenden Rassen:
• Dackel
• Englische Bulldoggen
• Yorkshire Terrier
• Chihuahua
• Neufundländer
• Mastiffs
• Bassets
• Australian Cattle Dogs

Da eine Auflösung der Steine sehr schwierig ist, gilt auch hier mit einer angepassten Fütterung die Bildung der Steine, wenn möglich zu verhindern. Der optimale Urin pH-Wert liegt bei 7.5 und man läuft bei Cystinurie immer Gefahr, dass sich in Folge der Anpassungen Struvitsteine bilden.

Das klingt jetzt alles ein bisschen kompliziert, aber es ist sehr wichtig genau zu wissen, mit welchen Blasensteinen das Tier es zu tun hat, um dann entsprechend handeln zu können.

Der Artikel ist erschienen in Ausgabe 05/2021 .

 

YOUR DOG für iOSYOUR DOG für iOS YOUR DOG für Android YOUR DOG für Kindle YOUR DOG als PDF Newsletter

Sag uns Deine Meinung...