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Der große Fertigfutter-Check

Hunde sind bei der Wahl, ihrer Meinung nach verwertbarer „Nahrung“, nicht besonders wählerisch. So mancher Vierbeiner – wie unsere Dackel-Labradormix-Mülltonne Frieda – vermag es gar, durch eine besondere Liebe zu bereits verdauten Nahrungsmitteln (landläufig auch als Kot bezeichnet), seine Halter zu schockieren. Und gerade deshalb ist es von Bedeutung, nicht bloß den optisch ansprechendsten Futtersack zu kaufen, sondern zumindest in Grundzügen darüber Bescheid zu wissen, nach welchen Kriterien Fertigfutter gewählt werden sollte.

(c) iStockPhoto.com

Alleinfuttermittel

Grundsätzlich spricht man bei Fertigfutter laut Futtermittelrecht entweder von Alleinfutter oder von Ergänzungsfuttermittel. Alleinfutter müssen so konzipiert sein, dass sie den täglichen Bedarf des Hundes in ausgewogener Weise decken. Das heißt selbst wenn der Hund über Jahre mit nur einem einzigen Alleinfuttermittel ernährt wird, darf sich daraus kein Nährstoffmangel ergeben. Alleinfutter werden vom Fachhandel entweder als Trockenalleinfutter, Halbfeucht- oder Feuchtalleinfutter angeboten.

Ergänzungsfuttermittel

Anders als Alleinfuttermittel, kann Ergänzungsfuttermittel den täglichen (!) Bedarf des Hundes nicht decken. Das wirkt auf den ersten Blick als Nachteil. Es muss aber festgehalten werden, dass es äußerst fern der Natur erscheint, Lebens- oder Nahrungsmittel zu produzieren, die im Labor so konzipiert wurden, dass sie tagtäglich den sich – schon aus der natürlichen Lebensweise eines Individuums heraus – täglich verändernden Nährstoffbedarf vollständig decken. Oder können Sie beispielsweise Ihrer Familie garantieren, täglich nährstoffbedarfsdeckend für sie zu kochen? Es erscheint geradezu absurd.

Übrigens werden in vielen Futtermitteltests am Markt verfügbare Futter gerade in Bezug auf ihre Eignung als Alleinfuttermittel getestet. Daraus resultieren dann die oft überraschend schlechten Bewertungen prinzipiell als zuverlässig wahrgenommener Hersteller und umgekehrt die überraschend guten Bewertungen von Futtersorten, die viele von uns aus guten Gründen im Regal belassen. Das wäre vergleichbar damit, eine Tiefkühlpizza aufgrund ihres höheren Nährstoffgehalts verglichen zu einer BIO Banane gesünder zu bewerten. Eine gesunde Skepsis solchen Testergebnissen gegenüber und etwas Basiswissen lohnt also in jedem Fall. Zur Veranschaulichung der Aussagekraft solcher Tests über die tatsächliche Qualität, zwei Zutatenlisten unterschiedlicher Futtermittel, die beide mit „gut“ bewertet wurden.

Entscheiden Sie selbst, welches Sie als vertrauenswürdiger beurteilen:

Futter A – Platinum Adult Chicken (auch als Beispiel einer offenen Deklaration):
Frisches Hähnchenfleisch (70 %), Bruchreis, Mais (gentechnikfrei), getrocknetes Hühnerprotein, hydrolisiertes Geflügelprotein, getrocknete Bierhefe, getrocknete Apfelpulpe, Lachsöl, Yucca-Extrakt, kaltgepresstes Leinsamenöl, kaltgepresstes Olivenöl, Grünlippmuschel-Extrakt, getrocknete Karotten, getrocknete Tomaten, getrocknete Aufrechte Studentenblume, getrockneter Löwenzahn, getrockneter Brokkoli, getrockneter grüner Tee, getrocknete Kamille, getrockneter Oregano, getrocknete Mariendistelsamen, getrocknete Cranberrysamen, getrocknete Algen, Kaliumchlorid.

Futter B (auch als Beispiel einer geschlossenen Deklaration):
Getreide, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (20%, u.a. 4% Lamm in den braunen Stückchen), Öle und Fette (u.a. 0.2% Sonnenblumenöl), pflanzliche Nebenerzeugnisse (u.a. 1% getrocknete Rübenschnitzel), Mineralstoffe, Gemüse (4% Karotten in den orangefarbigen Stückchen, 4% Erbsen in den grünen Stückchen).

Manchmal berät der Hausverstand doch besser, als eine wissenschaftliche Analyse.

Große, weltweit agierende Konzerne hatten einst die Idee, Abfälle aus ihren Lebensmittelsparten gewinnbringend zu Tierfutter zu verarbeiten. So entstand überhaupt erst der heute nicht mehr wegzudenkende Zweig der Heimtierfütterung. Während sich die Bigplayer der Branche inzwischen fast ausschließlich in das Sortiment von Tierarztpraxen zurückgezogen haben (um die Kompetenz des Tierarztes als überzeugendes Verkaufsargument zu nutzen), entwickelten sich im Laufe der Jahre zahlreiche regionale deutsche und österreichische Unternehmen, die bei der Herstellung großen Wert auf regionale Zutaten und eine nachvollziehbare Zusammensetzung ihrer Futtermittel legen. Der Wettbewerb ist enorm und da der Qualitätsanspruch – auch durch steigende Aufklärung – seitens der Konsumenten immer höher wurde, ließen sich bald nicht mehr die passenden Antworten auf wichtige Forderungen wie offene Deklaration anstelle von geschlossener oder hochwertige Kohlenhydratquellen anstelle von Füllstoffen, die man so sonst nur in Mastbetrieben der Nutztierindustrie einsetzt, finden.

Die Eignung und Qualität eines Fertigfutters, lässt sich nicht daran festmachen ob es als Allein- oder Ergänzungsfuttermittel deklariert wird. Vielmehr sind die Herkunft und die Qualität der verwendeten Rohstoffe von Bedeutung für die Akzeptanz und Verwertbarkeit.

Bei der Auswahl des Fertigfutters spielen einerseits die ausgewogene, bedarfsgerechte Zusammensetzung ebenso eine Rolle, wie andererseits die Qualität der Zusammensetzung und Zutaten. Auch wenn viele Hundehalter richtig argumentieren, dass sie bei Fertigfutter die enthaltenen Komponenten nur schwer bestimmen können, so gibt es doch einige Hinweise, die einen Rückschluss auf die Qualität des Futters zulassen.

Entscheidende Qualitätsfaktoren bei Fertigfutter

1. Nachvollziehbarkeit der Zusammensetzung – offene Deklaration – geschlossene Deklaration

Wie im ersten Vergleichsbeispiel dargestellt, wird zwischen offener und geschlossener Deklaration unterschieden. Bei einer offenen Deklaration muss der Hersteller die Zutaten je nach ihrem Anteil in der Reihenfolge absteigend anführen – die Zutat, von der am meisten enthalten ist also an erster, jene von der am wenigsten enthalten ist, an letzter Stelle.

Es gibt aber weitere wichtige Unterschiede. So ist die Bezeichnung Geflügelmehl nicht gleichbedeutend mit Geflügelfleischmehl. Während Geflügelfleischmehl aus Fleisch besteht, dem die Feuchtigkeit entzogen wurde und das explizit nur aus dieser angeführten Tierart besteht, können im Geflügelmehl beispielsweise auch Nebenprodukte wie Federn, Schnäbel oder Krallen enthalten sein. Achten Sie daher immer auf die Bezeichnung „Tierart+Fleischmehl“.

Eine geschlossene Deklaration dagegen liefert nur sehr ungenaue Angaben und fasst nur grob zusammen, welche Rohstoffquellen enthalten sind. So lässt sich nicht abschätzen, was konkret beispielsweise als tierische Proteinquelle enthalten ist. Von Muskelfleisch bis hin zu Federn, Klauen oder Hufen kann also alles enthalten sein.

2. Anteil an (Frisch-)Fleisch

Ein hoher Fleischanteil ist deshalb wichtig, da das enthaltene Protein idealerweise aus tierischen Quellen stammen sollte. Hunde sind zwar Omnivoren, also Allesfresser, doch sowohl ihr Beutegreifapparat (Gebiss) als auch ihr Verdauungstrakt sind noch dem des Wolfes sehr ähnlich und damit voll auf die Verwertung von tierischen Proteinen ausgerichtet. Zwar argumentieren manche Tierärzte, dass sich Hunde im Laufe der Jahre weiterentwickelt hätten und auch höhere Getreideanteile in der Nahrung dadurch problemlos wären, aber ich persönlich hätte noch nicht festgestellt, dass sich beispielsweise die Fangzähne beim Hund gänzlich abgeflacht und damit jenen der Pflanzenfresser und Wiederkäuer angepasst hätten. Ja, Hunde können Kohlenhydrate besser verdauen als Wölfe. Nein, das macht sie noch nicht zu reinen Pflanzenfressern.
Je detaillierter die Proteinquellen angeführt sind, desto nachvollziehbarer und transparenter die Zusammensetzung.

3. Welche Kohlenhydratquellen werden verwendet

Eine kohlenhydratfreie Ernährung hat keinen wesentlichen Vorteil für Hunde. Natürlich stammen sie vom Wolf ab, dennoch haben sich Hunde im Laufe der letzten Jahrtausende ebenso weiterentwickelt wie wir Menschen auch. So gibt es keinen schlüssigen Grund, Hunde gänzlich kohlenhydratfrei zu ernähren, wenn nicht eine nachgewiesene Unverträglichkeit vorliegt. Auch bei den Kohlenhydraten entscheidet aber wieder der Rohstoff über die Qualität.

Den ganzen Artikel findest du in Ausgabe 05/2021 .

 

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