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Die Persönlichkeit des Hundes Teil 2 – Der Einfluss der Gene

Im ersten Teil der Serie rund um die Persönlichkeit des Hundes, stand das Temperament im Mittelpunkt. Im zweiten Teil sehen wir uns nun den Einfluss der Gene auf die Persönlichkeit an. Immer wieder wird die Vorgeschichte sogenannter Kampfhunde als Begründung für Rasselisten herangezogen. Doch wie groß ist der Einfluss der Gene überhaupt auf die Persönlichkeit und ist ein „genetisch vorbelasteter“ Hund automatisch gefährlich?

(c) iStockPhoto.com, Collage: Your Dog Hundemagazin

Dass Gene einen mehr oder weniger ausgeprägten Einfluss auf Erscheinung aber auch das Wesen eines Hundes haben, ist inzwischen unbestritten. Anders wäre eine Rassehundezucht nach genau definierten Rassestandards gar nicht möglich. Daraus aber zu schließen, dass sich jeder Border Collie automatisch für die Arbeit an einer Herde eignet, dass jeder American Staffordshire Terrier automatisch unverträglich mit Artgenossen und jeder Dackel ein leidenschaftlicher Jagdhund ist, wäre völlig falsch.

Wie groß der Einfluss der Gene nun tatsächlich ist, lässt sich mit der Heritabilität beschreiben. Diese gibt an, wie groß der Anteil der genetischen Varianz an der phänotypischen Varianz eines bestimmten Merkmals ist. Anhand eines Beispiels erklärt, beschreibt die Varianz also den Einfluss der Gene beispielsweise an der Form der Ohren bei Deutschen Schäferhunden. Die Heritabilität wird dabei auf einer Skala zwischen 0 für keinerlei Beeinflussung eines bestimmten Merkmals durch die Gene und 1 für eine ausschließliche Beeinflussung eines bestimmten Merkmals durch Gene bewertet. Dabei lassen sich vor allem äußerliche Erscheinungsmerkmale wie Fellfarbe, Augenfarbe, Größe oder Form der Schnauze stark vererben.

Arbeits- und Leistungsprüfungen sind für eine verantwortungsvolle Zucht unerlässlich

Auch bestimmte erwünschte und durch gezielte Zuchtselektion besonders angestrebte Wesensmerkmale wie die Affinität zum Apportieren bei Retrievern oder das Vorstehen beim Pointer, lassen sich auf genetische Einflüsse zurückführen.

Aber auch negative Eigenschaften wie eine erhöhte Ängstlichkeit oder eine geringe Stresstoleranz, können durch Gene beeinflusst werden und sind daher von großer Relevanz für die Zucht. Daraus lässt sich auch die enorme Bedeutung von immer wieder in der Kritik stehenden Arbeitsprüfungen für Gebrauchshunderassen ableiten. Nur wenn die Stresstoleranz sowie die Belastbarkeit eines Gebrauchshundes wie dem Malinois oder auch von Jagdgebrauchshunden unter realen Bedingungen, beispielsweise im Rahmen einer Schutzhundeprüfung, erprobt werden kann, lässt sich langfristig eine gute Zuchtbasis sowie ein stabiles und von der Gesellschaft durchaus erwünschtes Wesen fördern.

Leider missverstehen viele „Tierschützer“ die Bedeutung solcher Prüfungen und drängen ausübende Hundesportler und Züchter gerne ins Eck tierschutzrelevanter Straftäter ohne sich je ernsthaft und vor allem neutral mit der Thematik und Notwendigkeit auseinandergesetzt zu haben.

Genetik legt den Grundstein

Gerade der Einfluss der Gene ermöglichte dem Menschen überhaupt erst, den Hund als so vielseitigen Partner einzusetzen und durch gezielte Selektion für ein schier unvorstellbar breites Spektrum unterschiedlichster Aufgaben zu gebrauchen. Und auch wenn dieser Ausdruck im ersten Moment „verroht“ klingen mag, so würde ich mir wünschen, dass wir Hundehalter und Hundefreunde uns wieder ein wenig mehr den natürlichen Bedürfnissen unserer Hunde annähern. Denn einen Labrador Retriever per se jegliche Arbeitsbereitschaft abzusprechen, weil in den letzten Jahrzehnten nur noch die Nachfrage nach „leicht und unproblematisch zu führenden Familienhunden“ bedient wurde, erscheint mir vor allem in Hinsicht auf Wesen und Gesundheit wenig förderlich oder gar erstrebenswert.

Nervöse, hibbelige und wenig belastbare Hunde sind das Resultat und das, obwohl die genetischen Voraussetzungen – wie man leicht an für Leistung selektierten Labrador Retrievern auch heute noch schön sehen kann – beste Gebrauchshunde hervorbringen könnten. All das also ein klarer Beweis für den nicht zu unterschätzenden Einfluss der Gene in Bezug auf das Wesen des Hundes.

Eine groß angelegte Studie in den USA konnte die deutlichen Unterschiede im Wesen verschiedener Rassen besonders klar herausstreichen. So lässt sich auf der Abbildung 1 (in der Printausgabe) erkennen, dass ein Chihuahua in allen Bereichen sehr ausgeprägte Wesenszüge aufweist, während einzig die Trainierbarkeit sowie das Energielevel auffallend gering ausgeprägt sind. Verglichen dazu zeigt der Golden Retriever einzig bei der Trainierbarkeit ein überdurchschnittliches Level, während er in allen anderen Punkten wie Ängstlichkeit oder Aggression gegenüber anderen Hunden und Fremden unterdurchschnittliche Ausprägungen aufweist. Damit konnte gezeigt werden, dass selbstverständlich auch die Rasse einen erheblichen Einfluss auf vorhandene Charaktereigenschaften hat.

Bedeutet dies nun, dass sogenannte Kampfhunde tatsächlich aggressiver als andere Rassen sind? Nein! Denn wie bereits im ersten Teil der Serie ausgeführt, bilden Gene zwar die Grundlage einer Persönlichkeit. Wie diese sich letztlich aber entwickelt, hängt ganz stark vom Umfeld bzw. Umwelteinflüssen ab. Was in jedem Fall richtig ist, dass es völlig falsch ist, Hunde aufgrund ihres Aussehens auszuwählen. Ein sehr populäres und aktuelles Beispiel ist der Magyar Vizsla.

Einst als schneidiger, vielseitiger und arbeitsintensiver Jagdgebrauchshund von Jägern hochgeschätzt, fanden in den letzten Jahren immer mehr „Jungfamilien“ Gefallen am mittelgroßen, pflegeleichten weil kurzhaarigen und durchaus sehr attraktiven Rassehund. Dass es sich dabei um eben diesen feurigen Jagdgebrauchshund handelt, wird in der Euphorie über das hübsche neue Familienmitglied völlig ausgeblendet. Inzwischen sitzen unzählige Magyar Vizslas in Tierheimen und warten darauf, dass sich doch jemand für sie findet, der mit Erfahrung und Hundeverstand punktet und weiß, worauf er sich einlässt. Ebenso ergeht es Dobermänner, American Staffordshire Terrier aber auch Weimaraner.

Auch Malinois werden viel zu oft ohne Überlegung angeschafft in der Hoffnung, einen für seine Schneid bekannten Wachhund zu erhalten. Dabei erfordert die Haltung eines solch herausfordernden Hundes Erfahrung und Sachverstand aber auch Zeit und die Hingabe, sich in vielen Punkten nach dem Hund zu richten und nicht umgekehrt! Für Jungfamilien ohne Erfahrung im Umgang mit Hunden eignen sich andere Hunderassen wie Chihuahua, Malteser, Spitze oder auch Collies bei weitem besser, um überhaupt erst mit den Herausforderungen, die die Haltung eines Hundes mit sich bringt, vertraut zu werden. Diese Hunde stellen in der Regel keine so hohen Ansprüche in Sachen Erziehung, Konsequenz und Auslastung wie ein Jagd- oder Schutzhund.

Lesen Sie den gesamten Artikel in Ausgabe 05/2021 .

 

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