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Hunde haben auch Gefühle

Von José Arce

Es ist unumstritten, dass Hunde fühlen und empfinden. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, ihre Gefühle mit unseren gleichzusetzen, nur weil ihr Verhalten uns an uns selbst erinnert. Hunde trauern auch. Aber wir helfen ihnen nicht, die Lücke in ihrem Leben zu füllen, indem wir Mitleid mit ihnen haben. Sie brauchen stattdessen uns als verantwortlichen Partner, damit es ihnen wieder gut geht.

Der Mensch kann Mitleid verstehen und es verarbeiten. Ein Hund kann Mitleid nicht verstehen. Er interpretiert die Gefühle, die er selbst nicht kennt, als Zeichen der Schwäche, was seine Unsicherheit verstärkt. Wer im falschen Moment schwach ist, kann seinem Hund so nicht helfen und ihm weder Ruhe noch Sicherheit vermitteln. Aber genau das sollten Hundebesitzer tun. Anderenfalls springt irgendwann der instinktive »Alarmknopf« an und der Hund wird versuchen, selbst die Verantwortung zu übernehmen, die er bei seinem Menschen vermisst.

Genauso kann es sein, dass ein Hund plötzlich ganz anders »tickt« als bisher, wenn z.B. ein neuer Hund in die Familie kommt. Auch dann werden häufig alte Regeln auf den Kopf gestellt, Stabilität, Prinzipien, Sicherheit gehen dem »alten« Hund in gewissem Maße verloren und seine bisher intakte hündische Welt bekommt Risse. Gerade wenn sich in ihrem Umfeld massive Veränderungen ergeben, brauchen Hunde uns als staken und verantwortlichen Partner. Wenn Sie Ihrem Hund in einer neuen oder ungewohnten Situation wirklich helfen wollen, geben Sie ihm Sicherheit und Ruhe. Behalten Sie alte Strukturen und Gewohnheiten bei. Gehen Sie viel mit ihm spazieren und bringen Sie ihn so auf seine natürliche Basis zurück. Besonders leicht tappt man übrigens in die »Mitleidsfalle«, wenn man einen Hund aus dem Tierheim bei sich aufnimmt. So ein Hund ist oft sehr unsicher und ängstlich. Und wie interpretieren wir sein Verhalten? Die meisten werden denken: »Der Arme, was mag er nur schon alles erlebt haben?« Wir denken nämlich eher daran, was ein Tier schon erlebt haben könnte, anstatt daran, wie wir ihm endlich die verlorene Sicherheit schenken können. In der Hundewelt dagegen wird ein entsprechendes Verhalten als Schwäche gedeutet. Unbewusst zeigen wir durch unser Mitleid also genau diese Schwäche – und verstärken dadurch die Unsicherheit des Tieres noch mehr, anstatt sie zu beseitigen.

Wenn Hunde mit diesem menschlichen Gefühl konfrontiert werden, wird ihnen die Stabilität, die sie für ihr Leben brauchen, entzogen. Die klaren Strukturen der Hundewelt gehen verloren und der Hund ist auf sich gestellt, weil er sich nicht mehr auf die Prinzipien und Regeln innerhalb der Familie verlassen kann und sich nicht mehr sicher fühlt. Das bringt die Harmonie ins Wanken. Denn wenn Hunde echte Partner sein sollen, müssen wir sie als das respektieren, was sie wirklich sind und ihr ureigenes Bedürfnis nach Sicherheit erfüllen. Dann können wir ihnen auch unsere Liebe schenken.

Den gesamten Artikel findest du in Ausgabe 03/2022.

 

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