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Schluss mit Futteraggression!

Im Leben eines Hundes gibt es eines, was besonders wichtig und immer im Fokus des Bemühens eines Hundes steht: die Nahrungsaufnahme. Aus längst vergangenen Zeiten stammend, als Beute noch mühevoll erjagt werden und bei Misserfolg sogar oft tagelang gehungert werden musste, ist der unbändige Drang an Futter zu gelangen, bei vielen Hunden bis heute noch sehr stark ausgeprägt. Deshalb ist die Futteraggression eine der häufigsten unerwünschten Verhaltensweisen im Zusammenleben mit Hunden.

Futteraggression ist kein Kavaliersdelikt. Und dennoch wird der Grundstein oft schon in der Welpenkiste gelegt. Schon wenn die Welpen auf die Welt kommen, führt sie ihr erster Weg instinktiv direkt an die Milchbar der Mutterhündin. Ohne diesen Instinkt, und von selbst nicht lebensfähige Welpen bringen diesen nicht mit, würde der Welpe nicht überleben! Es ist also so fest verankert, dass den kleinen Welpen nichts, oder fast nichts, aufhalten kann. Ein besonderes Highlight ist natürlich das erste feste Futter, das der Wurf vom Züchter erhält – hier geht es oft schon ganz schön zur Sache. Es wird gerangelt, geknurrt, geschubst. Hier zeigen sich also bereits die ersten Anzeichen von Futteraggression. Je nach Charakter des kleinen Lebewesens stärker oder weniger stark ausgeprägt.

Der Welpe zieht ein

Der Welpe zieht zu seinem neuen Besitzer, und weiter geht es mit dem Futter“kampf“. Umringt von der neuen Familie, gibt es gleich mal ein Kaustangerl, aber Ruhe gibt es nicht inklusive. Auch die Futterschüssel wird, so wie man es früher gemacht hat, immer mal wieder weggenommen und rein gegriffen. Welpe lernt, er muss schnell sein, damit er auch wirklich fressen kann – oder aber er beginnt, sein Futter lautstark dem Menschen gegenüber zu verteidigen. Sieht er doch keine andere Möglichkeit, das für ihn so wichtige Futter für sich haben zu können. Aber woher kommt der Mythos des „ich muss jederzeit ins Futter greifen können“?

Alte Mythen rund um Futteraggression

Wir kramen da in uralten Schubladen, in denen wir noch von Alpha-Wurf, Rudelführer und Unterdrückung gesprochen haben. Es war ganz normal, dem Hund sein Futter streitig zu machen, wollte er es dann verteidigen, gar mit knurren oder beißen, dann kam wieder Strafe, Alpha-Wurf und Unterdrücken zum Einsatz. Ein ewiger Kreislauf; in dem der Hund immer mehr an Vertrauen verloren hat.

Mittlerweile sollten wir es so gut wissen, dass wir natürlich mit einem Hund in einer rudelähnlichen Situation leben und wir als Mensch anleiten und führen (nicht anführen) müssen, weil der Hund in dieser Konstellation damit überfordert ist. Er gehört aber zu unserem Familienverband, muss uns vertrauen können, unsere Reaktionen und Aktionen müssen voraussehbar und verständlich für ihn sein. Er muss wissen, woran er ist.

Futter soll keinen Wettstreit auslösen

Je weniger Show wir ums Füttern machen, desto weniger Konkurrenzdenken löst es in unserem Hund aus. Wir müssen beim Thema Füttern zu einem positiven Partner werden, wir lassen dem Welpen oder auch erwachsenem Hund Futter zukommen, füttern zur Vertrauensbindung aus der Hand, geben Futter in die Schüssel, eventuell sogar nach, wenn er bereits frisst, streuen Futter – wir sind also immer der gebende Part. Es gibt Gutes von uns, wir nehmen ihm aber nichts wieder weg. Auch beim Thema Kauartikel wollen wir ihm etwas, dass wir ihm abgegeben haben, nicht wieder streitig machen. Sollte unser Hund mal etwas nicht gut kauen können, es gefährlich werden (Thema Knochen) oder zu viel sein, versuchen wir auch hier, zu tauschen, nicht es ihm einfach wegzunehmen oder abzujagen.

Ich praktiziere es so seit Jahren und ich könnte, würde ich das wollen, jederzeit in die Schüssel greifen oder sogar das Kaustangerl für die Hunde halten, wenn sie selbst zu faul sind, aber auch das will ich nicht.

Den gesamten Artikel findest du in Ausgabe 03/2022.

 

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