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Wenn Hundezucht zum Geschäftsmodell wird – der Labradoodle

Obwohl jeder durch Rassezuchtverbände anerkannten Hunderasse einst wilde Kreuzungen unterschiedlichster Hundeschläge vorangingen, schrillen bei den Doodle-Hybriden bei vielen Hundefreunden alle Alarmglocken. Zu viele Menschen haben die ursprüngliche Idee, einen hochintelligenten Hund zu schaffen, der zudem Felleigenschaft besitzt, die ihn auch für Allergiker eignen, kurzerhand zur Einnahmequelle horrender Unsummen umgewandelt. Quantität war fortan mehr wert als Qualität und so blieben Wesen und Gesundheit auf der Strecke.

(c) iStockPhoto.com

Den Ursprung des Labradoodles findet man in Australien. Es war circa Mitte der 1970er Jahre, als sich eine erblindete Dame aus Hawaii auf der Suche nach einem Assistenzhund bei der Australian Guide Dog Association meldete. Die Besonderheit daran war, dass sie allergisch auf Hunde reagierte. Doch auch die Australische Vereinigung für Assistenzhunde konnte vorerst nicht weiterhelfen, da sie üblicherweise mit Labrador Retrievern arbeiteten. Eine „neue“ Rasse musste also her.

Es war naheliegend, die bestens ausgebildeten Labradore mit einer Rasse zu kreuzen, die über das gewünschte hypoallergene Fell verfügte – den Standard Pudel. Der Leiter des Projekts rund um diese bis dahin völlig neuartige Kreuzung war kein geringerer als Wally Conron. Der erste Wurf der Labradorhündin Brandy sowie des Großpudelrüden Harley brachte einerseits den erhofften Welpen hervor, der hypoallergene Felleigenschaften aufwies. Andererseits zeigte er aber auch, dass diese Kreuzung kein Garant für ebendiese erwünschten Eigenschaften war, denn zwei von drei Welpen lösten sehr wohl allergische Reaktionen aus. Und dies ist auch heute noch so, weshalb eine Reinzucht wie bei anderen Rassen bisher kaum angestrebt wurde, da auch diese kein Garant für ein nicht haarendes Fell wäre. Mit dem ersten Wurf entwickelte Conron auch den heute geläufigen Namen Labradoodle, welcher sich aus den beiden Rassenamen LABRADor und pOODLE zusammensetzt.

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Nachdem sich in Windeseile viele geschäftstüchtige „Züchter“ fanden, die trotz der Tatsache, dass ein hypoallergenes Fell nicht garantiert werden kann, dies als Alleinstellungsmerkmal der „Rasse“ nützten und ihre Welpen fortan zu schwindelerregenden Preisen verkauften, entwickelte sich schnell ein negativer Beigeschmack bei der Doodle-Zucht.
Es brauchte einiges an Aufklärung, bis der Zauber rund um die „magischen“ Designerdogs etwas gelöst werden konnte.

Bis heute gibt es unterschiedliche Entwicklungen innerhalb der Doodles. So hat sich beispielsweise rund um den Australian Labradoodle eine Community gebildet, die das Ziel verfolgt, exakt definierte Rassestandards züchterisch zu forcieren und damit die Rasseanerkennung durch die FCI anstrebt. Andererseits gibt es nach wie vor Züchter, die sowohl Pudel als auch Labrador Retriever halten und die daraus entstandenen F1 Generation-Welpen als Labradoodle verkaufen.

Der Australian Labradoodle

Neben dem pflegeleichten Haarkleid, erfreuten sich die Menschen zunehmend an der hohen Intelligenz sowie dem umgänglichen Wesen des Labradoodle. Seine große Vielfältigkeit und Loyalität ließen die Fangemeinde rasch anwachsen, nicht nur unter Ausbildern und Trainern für Therapie- und Assistenzhunde.

Um diese Eigenschaften noch gezielter zu fördern, schlossen sich Rasseliebhaber weltweit zusammen, um unter dem Rassenamen Australian Labradoodle eine einheitliche Rasse zu züchten. Das Zuchtziel war klar: anders als bei den Kreuzungen, wollte man durch den Einsatz weiterer Rassen wie Irish Water Spaniel, Curly Coated Retriever, American Cocker Spaniel und English Cocker Spaniel eine einheitliche Rasse erreichen, die sich durch ihre Felleigenschaften für Allergiker eignet, dank ihrer hohen Intelligenz und Einsatzbereitschaft aber auch hervorragend für die Arbeit als Therapie- und Assistenzhund anbietet. Heute organisieren sich Züchter des Australian Labradoodle weltweit unter der Australian Labradoodle Association, kurz ALA.

Die ALA betreut die Entwicklung und Zuchtprogramme der Rasse seit 1998. Ein Jahr zuvor wurde erstmals ein einheitlicher Rassestandard formuliert und zu Papier gebracht. Auf Basis dieses Standards, versuchte man in den Folgejahren unter Einsatz der genannten vier Rassen eine einheitliche Rasse mit gezielt reproduzierbaren Felleigenschaften in drei Größen auf die Beine zu stellen. 2004 war es dann soweit und der Australian Labradoodle wurde als homogene Rasse mit verbindlichem Rassestandard in den Größen Mini, Medium und Standard vorgestellt.

Bei aller Anerkennung des Bemühens rund um die Reinzucht der Rasse, so verleihen einige Formulierungen sowie die nahezu unverschämt hohen Kaufpreise zwischen 8.000 und 12.000 Dollar unweigerlich einen negativen Beigeschmack.

Als Hundeliebhaber bleibt man angesichts solcher Zeilen in den Informationsunterlagen für Neuzüchter der ALA etwas sprachlos zurück: „Haben Sie einen Business Plan? Ein Zuchthund kostet zwischen 8.000 und 12.000 Dollar und eine Hündin wird ihren ersten Wurf frühestens mit 2 Jahren erwarten. Wie hoch ist Ihre geplante Rendite und mit wie vielen Hunden möchten Sie starten?“

Den ganzen Artikel findest du in Ausgabe 06/2021 .

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