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Aggression – Formen, Ursachen und Handling

Immer wieder fallen Halter junger Hunde aus allen Wolken, wenn sich ihr bisher völlig „normal“ verhaltender Junghund plötzlich aggressiv zeigt, sei es um sein Futter zu verteidigen oder um Ansprüche im Aufeinandertreffen mit Artgenossen Geltend zu machen. Doch auch Aggressionsverhalten ist „Normal“ und wichtiger Teil agonistischen Verhaltens bei Hunden. Im Schwerpunkt Aggression erörtern wir umfassend die wichtigsten Aspekte rund um hündisches Aggressionsverhalten.

(c) iStockPhoto.com

Vorab muss zur besseren Verständlichkeit der Begriff Aggression klar von der Aggressivität abgegrenzt werden. Aggression beschreibt grundsätzlich ein für das Zusammenleben hoch entwickelter und in Sozialverbänden lebender Arten unverzichtbares Instrument der Kommunikation und Interaktion.

Zur Durchsetzung diverser Ansprüche wiederum bedarf es situationsabhängig mehr oder weniger ausgeprägter Aggressivität. Einem inneren Antrieb, um Ziele – welcher Art auch immer – zu erreichen. Allein die Tatsache, dass Aggression im Laufe der Evolution bis heute Bestand in der Verhaltensweise hoch entwickelter Lebewesen hat, legt ihre Bedeutung dar. Die Wissenschaft definiert das als sogenannte „evolutionsstabile Strategie“ (evolutionary stable strategy – kurz ess).

Solch entwicklungsstabile Strategien haben so lange Bestand, wie sie sich für das Überleben der jeweiligen Population als sinnvoll erweisen. Da sich die Aggression bis heute stabil hält, sollte sie vielmehr als normales, ja sogar nützliches Instrument betrachtet und nicht fälschlicherweise per se als „unerwünscht“ abgetan werden.

„Aggression ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Sozialverbandes, ein Regulativ für das Zusammenleben, für das ausgewogene Zusammenarbeiten und Streiten um Ressourcen, Requisiten und Randbedingungen (Futter, Platz, Bindungspartner) in hierarchisch strukturierten Verbänden, Rudeln oder Gruppen.“
Dr. Dorrit U. Feddersen-Petersen (2001)

Von größter Bedeutung ist es nach wie vor, sich im Vorfeld über Hunderassen und deren ursprüngliche Verwendung Gedanken zu machen. Immer wieder treten Hunderassen aufgrund ihres ansprechenden Erscheinungsbildes in das Zentrum der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Werden zu „Moderassen“ und landen nicht selten schon vor ihrem 2. Geburtstag im Tierheim, weil die Halter keinerlei Ahnung von den genetischen Anlagen und Voraussetzungen der Rasse oder Mischung haben. Es klingt abgedroschen, doch kommt man nicht umhin, gerade beim Thema Aggression die Bedeutung der Epigenetik zu unterstreichen.

Unsere Hunde wurden einst ganz gezielt für bestimmte Zwecke gezüchtet. Herdenschutzhunde sollten ihre Herden bedingungslos vor potentiellen Angreifern schützen. Eine hervorragende Eigenschaft im ländlichen Umfeld und im Rahmen ihrer ursprünglichen Aufgaben. Doch wie verhält es sich, wenn eine Mutter mit ihren Kindern spazieren geht und man unterwegs zufällig auf befreundete Kinder trifft, die sich aufgeregt und voller Freude nähern? Herdenschutzhunde entwickeln sogenannte mobile Territorien und beanspruchen bzw. verteidigen immer genau das Gebiet, in dem sich ihre Herde – egal ob zwei- oder vierbeinig – aufhält. Leider neigen wir Menschen dazu die Verantwortung eher auf andere zu übertragen und im Schuldfall ganz besonders. So war es ein leichtes für die Politik, bestimmten Hunderassen eine „erhöhte Gefährlichkeit“ umzuhängen, anstatt potentielle Hundehalter fachkundig zu schulen.

Was Hänschen nicht lernt….

Welpen entdecken in der Welpenstube im Zusammenleben mit ihren Geschwistern täglich Neues. Genauso lernen sie im Umgang mit ihren Artgenossen auch langsam Grenzen kennen und entwickeln so erst nach und nach den Sinn, welche Verhaltensweisen im sozialen Umfeld erlaubt sind und welche nicht so gut ankommen. Später bauen sie diese „Basis“ in ihrer neuen Familie aus und lernen erwünschts Verhalten von unerwünschtem zu unterscheiden. Dabei festigen die Menschen je nach Erziehung und Konsequenz, schnell positive und negative Einflüsse, welche schließlich den Hund tagtäglich prägen und formen.

Den gesamten Artikel findest du in Ausgabe 01/2022.

 

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