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Nachbars Schreck am Gartenzaun

Grundsätzlich sind Hunde „Augentiere“ – sie kommunizieren demnach hauptsächlich über den visuellen Sinneskanal. Und trotzdem gehört die auditive Kommunikation (also Bellen, Wuffen, Knurren, Winseln usw.) selbstverständlich genauso zum natürlichen Verhaltensrepertoire eines Hundes. Zumeist werden diese Lautäußerungen auch gut von den in der Nachbarschaft wohnenden Menschen akzeptiert – zumindest solange sich diese in Ausmaß und Lautstärke einigermaßen in Grenzen halten.

Ein dauerhaft bellender Hund ist eine Belastung für die gesamte Nachbarschaft. Im Sinne eines guten Zusammenlebens sollten Hundehalter ihre Verantwortung ihrem Hund gegenüber wahrnehmen und ihn anderweitig auslasten!

Teilweise begrüßen Nachbarn – in Hinblick auf Abschreckung gegenüber Einbrechern – dieses lautstarke Verhalten sogar. Diese Akzeptanz hat natürlich für jeden Menschen subjektive Grenzen und das Bellen sollte keinesfalls für die Nachbarschaft eine Belästigung bzw. Zumutung darstellen. Dass diese Grenzen teilweise überschritten werden, zeigte ein in den Medien kursierender Vorfall vor einigen Jahren, an den ich mich immer noch mit Entsetzen erinnere. Hierbei hatte ein pensionierter Niederösterreicher die beiden Hunde des Nachbarn in dessen Garten angeschossen/erschossen. Für uns ist so eine Tat schier unfassbar! Befragt zu seinem Motiv sagte damals der Mann, dass er das unaufhörliche, nervtötende Gekläffe der beiden Hunde nicht mehr ertragen und die Nerven verloren habe. Ein Amokläufer? Natürlich! Nachvollziehbar? Wohl kaum! Und wie beurteilen wir andererseits das Verhalten der Hundebesitzer der beiden Dauerkläffer? Ignorant? Rücksichtslos? Oder ist es gar normal für uns geworden, dass jeder auf uns und unsere Hunde Rücksicht nehmen muss? Egal, ob andere darunter leiden oder sich gestört fühlen – nur weil wir vielleicht der festen Überzeugung sind: „Hunde müssen halt bellen!“? Aber müssen sie das wirklich?

Rücksicht der Umwelt gegenüber

Generell muss man auch betonen, dass natürlich nicht jeder Hund gleich viel bellt. Ob ein Hund mehr oder weniger bellfreudig ist, hängt vielfach davon ab, zu welchem Zweck dieser ehemals gehalten wurde und welche Eigenschaften durch Zuchtselektion rein- oder rausgezüchtet worden sind. Bei Meutehunden wie z.B. dem Beagle war es durchaus erwünscht, dass diese Spurlaute geben. Auch bei Hunden, die zum Schutz von Anwesen, Höfen oder Ähnlichem gehalten wurden, war es sinnvoll, wenn sie mit ziemlich lautstarkem Getöse dem vermeintlichen Eindringling Beine machten. Dieses ehemals gewollte Verhalten wird aber immer mehr zum Problem, da kaum jemand von uns als Eremit auf einem einsamen, abgelegenen Hof lebt. Die meisten von uns leben in eng verbautem Gebiet, wo gegenseitige Rücksichtname in vielerlei Hinsicht einfach notwendig ist. Gleichzeitig hält sich auch immer noch hartnäckig die landläufige Meinung, dass ein Hund unbedingt ein großes Haus bzw. einen großen Garten braucht, um artgerecht gehalten werden zu können.

Wider diese Meinung hängt aber das Glück und die Zufriedenheit unserer Hunde mehr davon ab, ob wir sie ihrer Anlagen entsprechend körperlich und geistig fördern und sie als soziale Lebewesen an unserem Alltag teilhaben lassen. Wenn jemand also 8-10 Stunden täglich außer Haus verbringt und meint, dass der große Garten eine gute Alternative für die Verwahrung seines Vierbeiner ist, liegt definitiv falsch. Zudem bin ich immer noch verwundert, dass sogar manche Tierschutzorganisationen die Adoptanten ihrer Schützlinge danach auswählen, ob ein entsprechend großer Garten vorhanden ist oder nicht.

Schon junge Hunde lernen schnell, dass das Gebell zum Erfolg führt, wenn sich Spaziergänger schnell entfernen. Wer hier nicht frühzeitig entgegensteuert, hat in kurzer Zeit ein dickes Problem da Gebell am Gartenzaun schnell selbstbelohnend werden kann.

Züchter & Tierheime in der Verantwortung

Wäre es da für Organisationen und Züchter nicht sinnvoller bei der Auswahl des zukünftigen Frauchens oder Herrchens vermehrt Augenmerk darauf zu legen, ob die Menschen in der Lage und zudem auch noch bereit sind, einen Hund den Anlagen entsprechend auszulasten? Natürlich tun das bereits viele und zudem gestaltet sich manchmal auch die Beurteilung der Verhaltensweisen von Menschen im Vorfeld schwierig.

Die Beurteilung: Garten vorhanden ja/nein – ist hingegen einfach. Zugegebenermaßen stellt das Vorhandensein eines Gartens für uns Menschen eine echte Erleichterung in der Hundehaltung dar. Freut es uns mal nicht Gassi zu gehen, sind wir unter Zeitdruck oder krank, machen wir halt einfach die Terrassentüre auf und schicken unseren Hund selbstständig zum „Lacki“. Tür auf – Hund raus – Tür zu! Gegen diese Vorgangsweise spricht auch nichts – wer das nicht macht, werfe den ersten Stein. Diese Möglichkeit haben Menschen, die einen Hund in einer Wohnung halten, nicht. Hier heißt es anziehen und mehrmals am Tag raus zur Gassirunde – ob man grad Lust hat oder nicht. Und das empfinden viele von uns als Arbeit und anstrengend. Seien wir uns doch ehrlich, eigentlich macht ein großer Garten nicht unseren Hund, sondern vor allem uns glücklich.

Ein Garten alleine lastet einen Hund nicht aus. Territorial veranlagte Hunde brauchen gezielte körperliche und geistige Auslastung, um ein ausgeglichenes Wesen zu entwickeln.

Ein Garten allein ist noch keine Auslastung

Ganz oft blicken wir in verständnislose Gesichter, wenn wir Hundehaltern empfehlen, ihre Hunde nicht stundenlang im Garten alleine zu lassen. Argumente wie: „Wegen dem Hund haben wir ja einen Garten.“; „Im Garten ist ihm/ihr nicht so langweilig, wenn wir arbeiten“ oder „Wenn er muss, wenn ich arbeiten bin ….?“ werden zitiert. Auch wenn das jetzt ketzerisch klingen mag, liegt doch die Überlegung nahe, wie sinnvoll es ist, sich ein soziales Rudeltier anzuschaffen, wenn dieses täglich 8-10 Stunden alleine bleiben muss.
Zudem langweilen sich viele Hunde alleine im Garten und gerade weil sie sich langweilen oder auch um sich nicht zu langweilen, fangen diese an – je nach Veranlagung – territoriale Aufgaben zu übernehmen. Also Spaziergänger, Radfahrer und Mensch-Hund-Teams durch wütendes Gekläffe zu verjagen. Und sie haben Erfolg – die Passanten gehen weiter. Das Verhalten macht für unsere Vierbeiner also Sinn und was Sinn macht, machen sie in Zukunft dann häufiger bzw. intensiver. Zudem verstärken wir durch die alleinige Übergabe des Gartens beim Hund das Gefühl des Verantwortlichseins und der Weg zum Kläffer und Passantenschreck ist geebnet.

Gott sei Dank stellt es eine absolute Ausnahme dar, dass entnervte Menschen die Hunde der Nachbarn im Garten erschießen und möglicherweise ist euer Hund gar kein kläffender Passantenschreck. Trotzdem werde ich nicht müde, die Menschen überzeugen zu wollen, dass stundenlanges alleiniges „Verwahren“ des Hundes im Garten ein No-Go ist. Denn zusätzlich werden Hunde auch aus Gärten gestohlen und fast täglich lesen wir in den Medien von Giftanschlägen auf unsere Hunde – von Tierhassern, die Fressen mit Gift oder Nadeln und Rasierklingen spicken und diese dann in Parks auslegen. Und nicht selten landen genau diese Giftbomben auch über den Zaun geworfen bei unseren alleine im Garten verwahrten Hunden.

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